Ausgabe 01/2010

Trauriger Trend

Schon seit Längerem zieht es Herrn und Frau Österreicher zu „Höherem“. Nicht mehr einen Hund oder eine Katze holt man sich als Ergänzung ins traute Heim – nein, es muss etwas Besonderes sein. Und so lösen Schildkröten, Papageien, Schlangen oder Echsen diese beiden Klassiker immer mehr als Mitbewohner ab. Denn leider sind diese allzu leicht über Tierhandlungen, Tauschbörsen oder gar Baumärkte zu beschaffen. Durch das „Besondere“ und den sehr leichten Zugang zu verschiedensten heimischen oder nicht heimischen Tierarten vergisst man darüber oft, dass es sich hierbei in der Regel um Lebewesen mit höchst komplexen Ansprüchen an die Haltungsbedingungen handelt. Meistens weiß der Werber auch nicht, dass diese Tiere strengsten gesetzlichen Bestimmungen zur Haltung, Zucht und Weitergabe unterliegen.

Längst schon ist dieser „Heimtiermarkt“ auch international zu einer enormen Gefahr für wildlebende Arten geworden. Viele dieser stolzen Besitzer sind sich auch gar nicht bewusst, dass es sich bei dem neuen Mitbewohner um eine gefährdete Art handelt, die einem gesetzlichen Schutz unterliegt. Dabei wäre schon beim Kauf darauf zu achten, dass gewisse Tierarten nur mit Legalitätsnachweisen und Begleitdokumenten gehandelt werden dürfen. Aber auch gezüchtete Tiere dürfen grundsätzlich nur dann erworben und gehalten werden, wenn die Herkunft aus Gefangenschaft jederzeit nachgewiesen werden kann! Denn wer ein Tier ohne Belege der rechtmäßigen Herkunft annimmt, macht sich strafbar. Im Falle einer Kontrolle kann dies auch weit reichende Folgen haben: Beschlagnahme der Tiere, Verwaltungsstrafen bis hin zu gerichtlichen Verfahren.
So kann es für manchen Tierbesitzer leicht zu negativen Überraschungen führen, wenn er dann aufgefordert wird, dieser Nachweispflicht nachzukommen. Prekär endete unlängst für einen Salzburger Tierbesitzer das Halten exotischer Haustiere. Behördliche Recherchen führten zu einer polizeilichen Hausdurchsuchung mit nachfolgender Beschlagnahme der Tiere im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Um solchen Ereignissen vorzubeugen, sollten sich Exotenfans noch vor dem Erwerb mit einigen artenschutzrechtlichen Informationen eingehend auseinandersetzen. Ob ein Tier einem gesetzlichen Schutz unterliegt, geht grundsätzlich aus folgenden Informationsquellen hervor. Das Salzburger Naturschutzgesetz in Verbindung mit der Salzburger Pflanzen- und Tierarten - Schutzverordnung. Darüber hinaus ist auch im Washingtoner Artenschutzabkommen das Handeln mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten kontrolliert. Wenn es sich also um eine nach einem dieser Gesetze geschützte heimische oder exotische Tierart handelt, ist auf Folgendes besonders zu achten: Erwerb und Weitergabe, Haltung, Ein- oder Ausfuhr in der EU. Auch das österreichische Tierschutzgesetz soll u. a. sicherstellen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Für alle Arten gelten genaue Haltungsbestimmungen und für Arten mit besonderen Anforderungen, wie Reptilien, Amphibien und die meisten Vögel, besteht zudem eine Meldepflicht bei der Bezirksverwaltungsbehörde! Für alle jene, die nicht wie ich mit Hund und Katze ihr Auslangen finden und denen es unsinnigerweise nicht exotisch genug sein kann, hier noch eine Internetseite zur unverzichtbaren Vorabinformation: www.cites.at.

Herzlichst
Ihr
Günther Mayrhofer