Ausgabe 02/2008

Tragödie in der Tiefe

Die Dezimierung unzähliger Fischarten durch den Menschen hat inzwischen derartige Ausmaße angenommen, dass die kommerzielle Fischerei schon in ein paar Jahren der Vergangenheit angehören könnte.

Der neueste Bericht der Welternährungsorganisation FAO über den Zustand der globalen Fischerei, warnt eindringlich, dass der Mensch eines kurzfristigen Gewinnes wegen eine seiner wichtigsten Nahrungsquellen dauerhaft zerstört.

Stählerne Riesennetze pflügen wahre Schneisen des Todes in den Boden der Tiefsee, der sich nach einer derartigen `Behandlung` über Jahrhunderte nicht mehr erholen wird. Oft gehen auch ganze Fänge tot wieder über Bord, weil man im Nachhinein feststellt, dass die weltweite Fangquote für die eine oder andere Fischart schon erfüllt ist. Was diesen kilometerlangen Riesennetzen entkommt, stirbt oft qualvoll in - bequemlichkeitshalber - auf offenem Meer entsorgten, so genannten `Geisternetzen`. Für viele langsam wachsende Bodenfische stellen diese Netze reine Todesfallen dar. In Aquakulturen wiederum verfüttert man an Zuchtfische von weit her geholtes Fischmehl, das aus Fängen in den Weltmeeren stammt. Verschiedenste ins Meer eingetragene Gifte und die mancherorts massive Abholzung von Mangrovenwäldern zerstören zusätzlich die Laichgründe vieler Fischarten. Das Ausbleichen und Absterben vieler Korallenriffe durch die globale Erwärmung vernichtet zusätzlich die Brutstätte von Meeresfischen.

Viele Staaten beugen sich ihrer jeweiligen Fischlobby und kümmern sich nicht um die von Experten empfohlenen Fangquoten. Auch die verheerenden Auswirkungen der Schleppnetzfischerei, die alles zermalmt, was am Boden ist, scheinen vor dem Hintergrund immer spärlich werdender Erträge in Kauf genommen zu werden.

Experten schlagen deshalb vor, für 40 Prozent der Weltmeere, unverzüglich ein Fangverbot aufzustellen. Vor allem Laichplätze und Wanderrouten verschiedenster Fischarten müssten geschützt werden.

Wenn die Artenvielfalt der Meere weiterhin so stark dezimiert wird wie bisher, könnte die kommerzielle Hochseefischerei bereits Mitte dieses Jahrhunderts zusammenbrechen. Davor warnt seit Jahren eine Gruppe internationaler Ökologen und Wirtschaftsexperten. Ihre Überzeugungen - auf den Punkt gebracht - bedeuten: Wenn wir unsere Methoden zum Artenschutz in den Weltmeeren nicht grundlegend ändern, wird dieses Jahrhundert das letzte mit wild gefangenem Fisch sein!

Aus einer Liste des WWF wird ersichtlich, wie bedroht einzelne Fischarten bereits sind. Danach wird ein Verkaufsverbot für Kabeljau, Rotbarsch, Seezunge, Dornhai (Schillerlocken) und Scholle gefordert. Für ein Kilo Scholle etwa, werden 4 Kilo (!) " Beifang"( Kleintiere und andere Fische, deren Quote bereits erfüllt ist), über Bord geworfen.

Weiterhin zum Fang erlaubte und als unbedenklich eingestufte Fische sind laut Greenpeace:

Karpfen, Hering, Seelachs und Makrele.
Drei Viertel aller wirtschaftlich genutzten Bestände gelten dem WWF zufolge als zu stark oder bis an die Grenzen befischt.
Es liegt also auch an uns Konsumenten durch unser Kaufverhalten aktiven Artenschutz zu betreiben

meint herzlichst


Ihr
Günther Mayrhofer