Mohrli
Ich, das Lienbacher Mohrli, will Euch erzählen, wie es mir ging, seit ich zur Oma kam. Nun, es war nicht leicht für mich, Kinder und Freiheit auf Anhieb zu verlieren. Obwohl ich Oma kannte und sie mit Liebe um mich warb,
versteckte ich mich tagelang. Ich hatte Zeit, um allmählich zu begreifen, daß es mir gut geht. Wir kamen uns schließlich näher. Erstes vorsichtiges Köpfchenreiben, schnurren und auf dem Sofa sitzen folgte. Das Ritual während des Fressens, wenn Oma mich streichelt, habe ich beibehalten. Gerne sitze ich neben Oma, werde gebürstet und gestreichelt, aber nicht auf dem Schoß. Obwohl ich schon aufs Bett sprang, will ich noch nicht mit Oma gemeinsam dort schlafen.Oma hat mir tolle Schlafgelegenheiten angeboten, die ich nach Belieben nutze. Auch spiele ich schon – das ist doch ein gutes Zeichen, daß ich mich wohlfühle. Aber ich will auch hinaus! Inzwischen habe ich mir das Öffnen der Türen abgeschaut und Oma muß, damit ich nicht wieder ausbüxe, während des Lüftens die Türen absperren. Das ist nicht so einfach, aber Oma sagt, sie schafft das schon. Mit vorsichtigem leisem Miauen beginne ich, ihr etwas mitzuteilen, aber hauptsächlich kommunizieren wir beide mit den Augen
Ich werde versuchen zu warten, bis ich hinaus darf, aber noch ist es zu früh, meint Oma. Sie will die Sicherheit, daß ich zurückkomme, aber das kann ich noch nicht versprechen. Ich folge nämlich nicht – Rufe nach mir sind zwecklos.
Mein Fell schimmert wie Seide, ich bin etwas dicker geworden und meine Augen strahlen grüner als je zuvor. Da die Menschen ja nicht kätzisch können, sage ich einfach :"Bis bald, besucht mich einmal und Danke!"
Mohrli und Oma
Anmerkung der Redaktion:
Inzwischen hat sich Mohrli, eine ehemals wildlebende, nicht kastrierte Katze, gut bei "Oma" eingewöhnt, kann ins Freie hinausgehen und kommt auf Zuruf zurück. Vielen Dank für die Geduld und die Zuneigung, die Sie Mohrli entgegenbringen, liebe Frau Lienbacher
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