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Das leise Sterben
Während in unseren Breiten der verbliebene Rest von Natur durch intensive Bemühungen in den letzten Jahrzehnten erfolgreich geschützt werden konnte, ist der Rückgang der Tiervielfalt in den Tropen dramatisch. 76 Prozent aller Arten gingen in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas in den letzten 34 Jahren verloren. Von 1970 bis 2005 haben 1.333 Bestände von 585 tropischen Arten im Durchschnitt um mehr als die Hälfte abgenommen. Beschränkt man die Betrachtung auf die Gebiete des Tropenwaldes ist man im selben Zeitraum mit einem Rückgang der Tierbestände um nahezu zwei Drittel konfrontiert. Dabei ist der Rückgang der Artenvielfalt in der Region Mittel -und Südamerikas am schlimmsten. 76 Prozent der Tiere sind dort in einem Zeitraum von nur 34 Jahren für immer verloren gegangen! Der weltweite Hunger nach Rohstoffen und die damit verbundene Vernichtung des Lebensraumes vieler Arten ist beängstigend. Alleine in Brasilien gingen im Zeitraum von 2000 bis 2005 pro Jahr 3,5 Millionen Hektar (!) Regenwald verloren. Illegale Abholzungen, Brandrodungen, Waldbrände und schließlich auch der Klimawandel sind zur Katastrophe für diesen weltweit bedeutenden Lebensraum geworden. Der ungezähmte, globale Hunger nach Rohstoffen ist die Ursache für die fortschreitende Zerstörung dieses einzigartigen Lebensraumes. Die Länder der tropischen Regionen generieren einen großen Anteil ihrer gesamten Wirtschaftsleistung durch die Nutzung von Rohstoffen. Deren geringe Wertschöpfung als Exportgüter ohne weitere Veredelungsschritte steht dem steigenden Bedarf der Tropenländer an teuren Importen gegenüber. Alleine die EU-Importe aus Brasilien entsprechen einer Produktionsleistung von über 25 Millionen Hektar Land. Dies verdeutlicht, dass die Ausbeutung der tropischen Regionen nicht nur auf die Deckung der Grundbedürfnisse der lokalen Bevölkerung zurückzuführen ist, sondern insbesondere auf den Rohstoffhunger der wachsenden Weltbevölkerung.
Der chinesische Drache, Sinnbild der wachsenden Wirtschaftskraft Chinas, hat nicht nur Hunger nach Rohstoffen und Energie. Auch der Handel mit seltenen Tier- und Pflanzenarten oder Produkten daraus bedroht ganze Ökosysteme. Das Geschäft mit der traditionellen, chinesischen Naturmedizin boomt. Doch viele Bestände an Heilpflanzen sind bereits übernutzt und haben keine Zeit mehr, sich zu erholen. Mehr als drei Viertel aller Menschen leben heute in Ländern deren Konsum die biologische Kapazität ihres Landes weit übersteigt. Auch Österreich zählt zu diesen ökologischen Schuldnern. Herr und Frau Österreicher nutzen durchschnittlich doppelt so viele Ressourcen wie sie eigentlich verbrauchen dürften. Deshalb ist ein klares Bekenntnis zu einem Richtungswechsel hin zu Nachhaltigkeit und Reduktion der ökologischen Schuld unumgänglich. Nur so können verbliebene tropische Wälder und die darin lebenden Arten effektiv geschützt und unser Lebensstandard gesichert werden.
meint herzlichst Ihr Günther Mayrhofer
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