"Jetzt gibt es endlich den elektronischen Personalausweis für Tiere", tönte es noch vor einigen Jahren erwartungsvoll aus allen Medien.
Das Ding, das nur so groß wie ein Reiskorn ist, versprach ein absoluter Hit zu werden.
Mit einem winzigen Mikrochip könnte man jetzt alle Tiere vom Fisch bis zum Pferd tierfreundlich markieren! Experten hofften: Der "elektronische Personalausweis" macht auch unter anderem Schluß mit dem Haustierklau.
In den Großeinsatz kam der neue Mikrochip sofort in den Tiergärten anstelle der viel zu unsicheren Ohrmarken, die so manches Tier viel zu leicht abstreifen konnte. Hier garantiert der Chip eine unveränderliche Markierung auf Lebenszeit. Überaus wichtig ist dieser Chip auch beim Artenschutz. Viele vom Aussterben bedrohte Tiere, die man in Zoos versucht nachzuzüchten, müssen sicher identifiziert werden können. Denn bei der Nachzucht sollte man genau wissen, wer von wem abstammt.
Allen Tieren ab Zentimetergröße kann ein solcher Chip per Spritze (= Glasröhrchen mit Mikrochip und Miniantenne) unter die Haut geimpft werden.
Auch bei Vögeln tut diese technische Innovation ihren Dienst. Nunmehr kann man bei vielen Vögeln auf Ringe verzichten. Dies ist deshalb von unschätzbarem Wert, da einige Vogelarten überaus dünnschalige Eier legen, die von den Ringen zerdrückt werden.
"Eine Tätowierung kann man verändern, den Chip nicht", freute man sich in Tierschützerkreisen. Dieser elektronische Personalausweis für Haustiere würde endlich auch dem angenommen, weit verbreiteten Haustierklau ein Ende bereiten.
Bei der Auffindung von Besitzern entlaufener Tiere könnte der Chip schließlich noch nie dagewesene Perspektiven eröffnen und so dem Aussetzen von Hausstieren ein Ende bereiten.
So weit, so gut. Doch leider haben, meiner Ansicht nach, von Beginn an gravierende Fehler den Siegeszug dieses Chips verhindert. Zwei unterschiedliche, nicht kompatible Systeme von zwei Anbietern unterbanden bisher eine zentrale Datenerfassung. Der relativ hohe Preis von ungefähr Euro 40.- ließ ebenso das Projekt bis dato scheitern.
Es mag sein, daß jenes, jetzt in Südtirol vorgestellte Chip-Kennzeichnungsmodell für Hunde zum Durchbruch führt.
Hier werden in Zukunft alle Hundebesitzer verpflichtet, ihren Hund innerhalb von 30 Tagen nach der Geburt registrieren zu lassen. Diese Meldepflicht gilt ebenso, wenn ein Hund weitergegeben wird, verendet oder sein Besitzer den Wohnsitz wechselt. Im Hundemelderegister sollen neben der Codenummer des Hundes wichtige Angaben zur Beschreibung und die Daten des Hundehalters aufscheinen.
Dasselbe wäre natürlich gleichermaßen für Hauskatzen anwendbar und würde tausendfaches Tierleid verhindern.
Doch angesichts der Tatsache, daß nur etwa einer von zehn in unserem Tierheim eingelieferten Fundhunden über die gute alte Hundemarke verfügt und derzeit so gut wie kein einziges Fundtier - Hunde und Katzen - einen Chip hat, keimt bei mir, geneigter Leser, die traurige Einsicht auf, daß wohl noch viel Wasser die Salzach hinunterrinnen wird, bis die bei uns zuständigen Behörden reagieren und der Chip endlich verpflichtend bei uns eingeführt wird.